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             RIVIERA PAGE berichtet über das Tropaeum Alpinum bei Monaco

Wenn Sie in Südfrankreich sind und nach Monaco kommen, sollten Sie auch in die Berge nach Turbie fahren.
Sie finden in diesem kleinen malerischen Ort eine alte Römische Ruine mit Museum von besonderer Schönheit.
Fahren Sie in Turbie an der linken Seite des Ortskernes zum ausgeschilderten Parkplatz.
Dort gibt es einen zweiten Eingang in den Museumspark und Sie haben vom Parkplatz einen sehr interessanten Blick über Monaco.

 

Die Geschichte dieses Monumentes

Wer sich Monte Carlo vom Meer her nähert, bemerkt über der Stadt, auf dem Vorgebirge, die Ruine eines weiß aufragenden Marmorturmes, der aus dem Grün der "Macchie" und dem Rot der Dächer eines idyllischen Bergdorfes aufragt: La Turbie. Es scheint als hätten hier die Römer, an ihrem alten Schifffahrtsweg der Küste entlang über das seit Jahrhunderten mit Rom verbündete, griechische Massilia, nach Spanien hin, ein Seefahrtszeichen gesetzt, dessen strahlendes Weiß am Tage und dessen Leuchtfeuer bei Nacht, den Galeeren sowohl die Einfahrt in die schützende Bucht von Monaco, als auch die Grenze zwischen Italien und Gallien anzeigte. Erst wenn man die Stadt verlassen und sich über die Corniche zum Dorf Turbie hinauf geschlängelt hat, wird klar, dass diese Ruine in erster Linie als historisches und nicht als navigatorisches Orientierungszeichen gebaut worden ist. Das Volk und der Senat von Rom errichteten dem Kaiser Augustus ein Denkmal, das Tropaeum Alpinum.


Eine Inschrift auf dem Monument verkündete einmal:

"Senat und Volk von Rom (widmen dieses Denkmal) dem Imperator Caesar Augustus, Sohn des göttlichen Caesar, dem Pontifex Maximus, nach seiner 14. Ausrufung zum Imperator, im 17. Jahr seiner Amtsführung als Volkstribun, weil unter seiner Führung und Oberaufsicht die Alpenvölker, alle, die zwischen dem oberen (adriatischen) und dem unten (tyrrhenischen) Meer wohnen der Herrschaft des römischen Volkes unterworfen worden sind............................."


(Es folgen die Namen der 44 besiegten Stämme) Von dieser Inschrift sind in  2000 Jahren nur noch einige Buchstaben erhalten. Plinius der Ältere hat in seiner Naturalis Historia (Buch III) die Stämme aufgezählt und damit die Rekonstruktion der Inschrift möglich gemacht.

Im Jahre neun vor Christus stürzte der römische Feldherr Drusus vom Pferd, brach sich den Oberschenkel und starb daran. Ein kleines, scheinbar unbedeutendes Ereignis am Rande der Geschichte. Doch es war der Tod des Lieblingsstiefsohnes des Kaisers Augustus, der Anfang vom Ende einer kurzen Periode römischer Geschichte, die das Gesicht Europas veränderte. In einem Siegeszug sondergleichen hatten Drusus und sein älterer Stiefbruder Tiberius sieben Jahre vorher, vor mehr als zweitausend Jahren also, mit zwei großen Heeren die Alpen überquert und in einem kurzen, schlachtenheißen Sommer vierundvierzig Bergstämme zwischen der Adria und dem tyrrhenischen Meer "befriedet" und damit das Alpenvorland als, bis hinauf zur Donau besetzt.


Damit war nicht nur die Nordgrenze Italiens gesichert, und wichtige Nachschublinien über die Pässe für die Provinz Gallien freigekämpft, sondern auch eine solide Basis geschaffen für die Eroberung Germaniens bis zu Elbe. Dieses Traumziel hatte Drusus, nach mehreren, weiträumigen Feldzügen, vom Rhein aus, im Jahre neun erreicht. Sein Tod setzte dem Drang der Römer nach Norden ein Ende. Trotz des sofortigen Eingreifens seines Bruders Tiberius und einiger weiterer Feldzüge, blieb Germanien noch für viele Jahrhunderte ein wildes, schwer beherrschbares Gebiet. Die Saat für das spätere "Heilige römische Reich deutscher Nation" jedoch war gelegt.


Der Alpenfeldzug hat die Romanisierung nicht nur des Alpengebietes eingeleitet, sondern dann auch den ersten Ansätzen des Christentums den Boden bereitet. Hier entstanden in der Folgezeit so bedeutende Städte wie Augsburg und Zürich. Hier entstanden Jahrhunderte später, in St. Gallen und auf der Bodenseeinsel Reichenau, die Keimzellen christlich­abendländischer Kultur, die bis weit in den nordeuropäischen Raum hineinstrahlten und bewirkten, das sich der Traum des Kaisers Augustus von der römischen Reichsgrenze an der Elbe, schließlich rund achthundert Jahre später, unter Karl dem Großen, mit umgekehrten Vorzeichen verwirklichte. Augustus gebührt das Verdienst die unübersteigbare Mauer der "Alpes inexsubirabilis" aufgebrochen und    damit einen der wichtigsten Grundsteine für die weitere Entwicklung Europas gelegt zu haben.

Natürlich waren die Alpen schon vorher überschritten worden.  Etwa 400 vor Christus stießen die Gallier unter Brennus bis Rom vor und schlugen das römische Heer nur 15 Kilometer nördlich der Stadt, an der Allia, und steckten Rom in Brand. (Nur die Wachsamkeit der heiligen Gänse der Juno rettete das Capitol.) Es folgte Hannibals berühmter Alpenübergang 218 vor Christus und schließlich schafften es auch die Kimbern, die 102 durch Marius bei Vercellae vernichtet wurden. Nirgendwo reichte das römische Herrschaftsgebiet   wesentlich   über   die Vorgebirgszone in die Alpenregion hinein. Selbst die Eroberung der Provinz Gallig transalpine, der Provence und des Languedoc,   gegen   Ende   des   zweiten Jahrhunderts , änderte daran nicht viel. Das römische Interesse galt dem Verkehr an   der  Küste  entlang   nach Spanien, weithin  gedeckt  von der alten Griechenstadt Massilia, die schon seit dem fünften Jahrhundert mit Rom verbündet war. Erst Caesar greift mit der Eroberung Galliens in die Tiefe des europäischen Kontinents und über die Küstenregion des Mittelmeeres hinaus, wie Cicero in seiner Rede vor dem Senat im Juni  56 bewundernd bemerkte. Als um 4o vor Christus, zu Beginn des zweiten Triumvirats (Marcus Antonius, Lepidus, Octavianus), wird die Provinz Gallig   cisalpina   als   Region   zu   Italien geschlagen,    da sie keiner  der drei Triumviri, wegen der gefährlichen Nähe zu Rom, dem anderen überlassen wollte. Mit  der  direkten Unterstellung Norditaliens unter die Regierung Roms entfiel die Stationierung von Truppen in diesem   Gebiet,   und  damit blieb die Alpengrenze ungeschützt. Dieser Zustand war im Grunde genommen grotesk,   denn   als   Octavianus 31 vor Christus bei Actium Antonius und Cleopatra besiegte und damit als Augustus Alleinherrscher wurde, war das gesamte Mittelmeergebiet, samt Spanien, Griechenland, Kleinasien, Syrien, Ägypten und Nordafrika römisch.

Schon aus Prestigegründen musst Augustus die Alpenregion unterwerfen. Die Raubüberfälle in die Transpadania mussten unterbunden werden. Die Beherrschung Galliens war auf die Dauer, ohne die Benutzung der günstigen Pässe, behindert. Als im Jahre 16 vor Christus die aus der Gegend des Lahntales stammenden Sugambrer nach Gallien eingebrochen waren, die Truppen des Legaten Lollius geschlagen und sogar einen Legionsadler erbeutet hatten, brachen Augustus und sein Stiefsohn Tiberius, der später selbst Kaiser wurde, nach Gallien auf.

Wie einst Caesar die Grenze der Provinz Gallig transalpina durch die Eroberung des 'freien' Galliens 'schützte', so wollte Augustus nun Gallien durch die Eroberung Germaniens bis zur Elbe hin 'schützen'. Der Alpenfeldzug schuf nicht nur Sicherheit für die Pässe auch östlich des Inns; mit der Besetzung des weiträumigen Alpenvorlandes bis hin zur Donau, wurde auch eine mögliche Aufmarschbasis gegen Kerngeranien vorbereitet. Im Jahr 12 vor Christus begann Drusus jährlich mit großes Heeresmacht den Rhein zu weit reichenden Feldzügen zu überschreiten. Neun vor Christus erreichte er das Traumziel, die Elbe, erlitt jedoch auf dem Rückmarsch, bei einem Sturz vom Pferd, jenen Beinbruch, der ihm den Tod brachte. Sein Bruder Tiberius übernahm den Oberbefehl und führte den Krieg flächendeckender und mit mehr System weiter, bis er sich drei Jahre später, nach einem Streit mit dem Kaiser, für eine Weile ins Asyl nach Rhodos zurückzog. Im Jahre sechs nach Christus griffen die Römer das Markomannenreich des Königs Marbod in Böhmen an. In einer großen Zangenbewegung stieß eine Armee von Mainz aus den Main entlang nach Osten vor, während Tiberius aus dem Donauraum östlich Wiens nach Norden marschierte. Wenige Tage vor der Vereinigung beider Armeen brach in Pannonien ein furchtbarer Aufstand aus. Tiberius musste den Feldzug abbrechen und sich drei Jahre lang mit den Aufständischen herumschlagen, ehe er den Sieg nach Rom melden konnte. Doch hier traf zur gleichen Zeit die Nachricht von der Varus-Katastrophe ein.

Der Germanenfürst Arminius hatte das römische Heer unter Varus geschlagen und dabei drei Legionen vernichtet!

"Vare, Vare, redde mihi legiones meas! - Varus, Varus, gib mir meine Legionen zurück!"

soll Augustus nach der Schlacht im Teutoburger Wald gerufen haben.. Der Traum Germanien bis zur Elbe als neue Provinz zu gewinnen, war ausgeträumt. Im Jahre 16 zog der nun Kaiser gewordene Tiberius die Konsequenz: er berief den Drusus-Sohn Germanicus, der in Germanien noch einmal zwar Schlachten, aber letztlich keinen Sieg auf Dauer gewinnen konnte, nach Rom zurück.
So wurde, dem Imperator Caesar Augustus zu Ehren, dieses Monument errichtet weil unter seiner Führung und Oberaufsicht die wilden Alpenvölker, zum Schutz Roms und des römischen Staates, unterworfen wurden.



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