Wer sich Monte Carlo vom Meer
her nähert, bemerkt über der Stadt, auf dem Vorgebirge,
die Ruine eines weiß aufragenden Marmorturmes, der aus
dem Grün der "Macchie" und dem Rot der Dächer
eines idyllischen Bergdorfes aufragt: La Turbie. Es
scheint als hätten hier die Römer, an ihrem alten
Schifffahrtsweg der Küste entlang über das seit
Jahrhunderten mit Rom verbündete, griechische Massilia,
nach Spanien hin, ein Seefahrtszeichen gesetzt, dessen
strahlendes Weiß am Tage und dessen Leuchtfeuer bei
Nacht, den Galeeren sowohl die Einfahrt in die
schützende Bucht von Monaco, als auch die Grenze
zwischen Italien und Gallien anzeigte. Erst wenn man die
Stadt verlassen und sich über die Corniche zum Dorf
Turbie hinauf geschlängelt hat, wird klar, dass diese
Ruine in erster Linie als historisches und nicht als
navigatorisches Orientierungszeichen gebaut worden ist.
Das Volk und der Senat von Rom errichteten dem Kaiser
Augustus ein Denkmal, das Tropaeum Alpinum.
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Der Alpenfeldzug hat die Romanisierung nicht nur des
Alpengebietes eingeleitet, sondern dann auch den ersten
Ansätzen des Christentums den Boden bereitet. Hier
entstanden in der Folgezeit so bedeutende Städte wie
Augsburg und Zürich. Hier entstanden Jahrhunderte
später, in St. Gallen und auf der Bodenseeinsel
Reichenau, die Keimzellen christlichabendländischer
Kultur, die bis weit in den nordeuropäischen Raum
hineinstrahlten und bewirkten, das sich der Traum des
Kaisers Augustus von der römischen Reichsgrenze an der
Elbe, schließlich rund achthundert Jahre später, unter
Karl dem Großen, mit umgekehrten Vorzeichen
verwirklichte. Augustus gebührt das Verdienst die
unübersteigbare Mauer der "Alpes
inexsubirabilis"
aufgebrochen und damit einen der
wichtigsten Grundsteine für die weitere Entwicklung
Europas gelegt zu haben.
Natürlich waren die Alpen schon vorher überschritten
worden. Etwa 400 vor Christus
stießen die Gallier unter Brennus bis Rom vor und
schlugen das römische Heer nur 15 Kilometer nördlich
der Stadt, an der Allia, und steckten Rom in Brand. (Nur
die Wachsamkeit der heiligen Gänse der Juno rettete das
Capitol.) Es folgte Hannibals berühmter Alpenübergang
218 vor Christus und schließlich schafften es auch die
Kimbern, die 102 durch Marius bei Vercellae vernichtet
wurden. Nirgendwo reichte das römische
Herrschaftsgebiet wesentlich
über die Vorgebirgszone in
die Alpenregion hinein. Selbst die Eroberung der
Provinz Gallig transalpine, der Provence und des
Languedoc, gegen Ende
des zweiten Jahrhunderts , änderte daran
nicht viel. Das römische Interesse galt dem Verkehr
an der
Küste entlang nach Spanien,
weithin gedeckt von der alten
Griechenstadt Massilia, die schon seit dem fünften
Jahrhundert mit Rom verbündet war. Erst Caesar greift
mit der Eroberung Galliens in die Tiefe des europäischen
Kontinents und über die Küstenregion des Mittelmeeres
hinaus, wie Cicero in seiner
Rede vor dem Senat
im Juni 56 bewundernd bemerkte. Als um 4o
vor Christus, zu Beginn des zweiten Triumvirats (Marcus
Antonius, Lepidus, Octavianus), wird die Provinz
Gallig cisalpina als
Region zu Italien
geschlagen, da sie keiner
der drei Triumviri, wegen der gefährlichen Nähe zu
Rom, dem anderen überlassen wollte. Mit
der direkten Unterstellung Norditaliens
unter die Regierung Roms entfiel die Stationierung von
Truppen in diesem Gebiet,
und damit blieb die Alpengrenze ungeschützt.
Dieser Zustand war im Grunde genommen
grotesk, denn als
Octavianus 31 vor Christus bei Actium Antonius und
Cleopatra besiegte und damit als Augustus Alleinherrscher
wurde, war das gesamte Mittelmeergebiet, samt Spanien,
Griechenland, Kleinasien, Syrien, Ägypten und Nordafrika
römisch.
Schon aus Prestigegründen musst Augustus die Alpenregion
unterwerfen. Die Raubüberfälle in die Transpadania mussten unterbunden werden. Die Beherrschung Galliens war
auf die Dauer, ohne die Benutzung der günstigen Pässe,
behindert. Als im Jahre 16 vor Christus die aus der
Gegend des Lahntales stammenden Sugambrer nach Gallien
eingebrochen waren, die Truppen des Legaten Lollius
geschlagen und sogar einen Legionsadler erbeutet hatten,
brachen Augustus und sein Stiefsohn Tiberius, der später
selbst Kaiser wurde, nach Gallien auf.
Wie einst Caesar die Grenze der Provinz Gallig
transalpina durch die Eroberung des 'freien' Galliens
'schützte', so wollte Augustus nun Gallien durch die
Eroberung Germaniens bis zur Elbe hin 'schützen'. Der
Alpenfeldzug schuf nicht nur Sicherheit für die Pässe
auch östlich des Inns; mit der Besetzung des
weiträumigen Alpenvorlandes bis hin zur Donau, wurde
auch eine mögliche Aufmarschbasis gegen Kerngeranien
vorbereitet. Im Jahr 12 vor Christus begann Drusus
jährlich mit großes Heeresmacht den Rhein zu weit
reichenden Feldzügen zu überschreiten. Neun vor
Christus erreichte er das Traumziel, die Elbe, erlitt
jedoch auf dem Rückmarsch, bei einem Sturz vom Pferd,
jenen Beinbruch, der ihm den Tod brachte. Sein Bruder
Tiberius übernahm den Oberbefehl und führte den Krieg
flächendeckender und mit mehr System weiter, bis er sich
drei Jahre später, nach einem Streit mit dem Kaiser,
für eine Weile ins Asyl nach Rhodos zurückzog. Im Jahre
sechs nach Christus griffen die Römer das
Markomannenreich des Königs Marbod in Böhmen an. In
einer großen Zangenbewegung stieß eine Armee von Mainz
aus den Main entlang nach Osten vor, während Tiberius
aus dem Donauraum östlich Wiens nach Norden marschierte.
Wenige Tage vor der Vereinigung beider Armeen brach in
Pannonien ein furchtbarer Aufstand aus. Tiberius musste
den Feldzug abbrechen und sich drei Jahre lang mit den
Aufständischen herumschlagen, ehe er den Sieg nach Rom
melden konnte. Doch hier traf zur gleichen Zeit die
Nachricht von der Varus-Katastrophe ein.
Der Germanenfürst Arminius hatte das römische Heer
unter Varus geschlagen und dabei drei Legionen
vernichtet!
"Vare,
Vare, redde
mihi legiones meas!
- Varus, Varus, gib mir meine Legionen zurück!"
soll Augustus nach der Schlacht
im Teutoburger Wald gerufen haben.. Der Traum Germanien
bis zur Elbe als neue Provinz zu gewinnen, war
ausgeträumt. Im Jahre 16 zog der nun Kaiser gewordene
Tiberius die Konsequenz: er berief den Drusus-Sohn
Germanicus, der in Germanien noch einmal zwar Schlachten,
aber letztlich keinen Sieg auf Dauer gewinnen konnte,
nach Rom zurück.
So wurde, dem Imperator Caesar Augustus zu Ehren, dieses
Monument errichtet weil unter seiner Führung und
Oberaufsicht die wilden Alpenvölker, zum Schutz Roms und
des römischen Staates, unterworfen wurden.
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